Mythen und Visionen: Europäische Identität im 21. Jahrhundert
Podium im Deutschen Historischen Museum, Schlüterhof
31. Mai 2009, 14:00-16:00 Uhr
Welche Bedeutung hat die Wahrnehmung der Vergangenheit für die Fähigkeit der Europäer, gemeinsam die Zukunft zu gestalten? Die Handlungsfähigkeit eines jeden Kollektivs setzt einen minimalen Konsens darüber voraus, wohin sie sich bewegen will und was die Gemeinschaft ausmacht - das schließt den Blick auf die eigene Geschichte ein. Welche Erzählungen von der Vergangenheit schaffen Verbundenheit zwischen Europäern in Ost und West, Nord und Süd? Welche Geschichten spalten Europa und stehen somit einer gemeinsamen europäischen Identität im Wege? Gibt es einen Kanon an historischen Erfahrungen, die Europa definieren, die den europäischen Umgang mit aktuellen Entwicklungen in der Welt prägen? Gibt es einen Kanon an unstrittigen Lehren aus der Vergangenheit, die anerkennen muss, wer Europäer sein oder werden will? Und wenn ja, welche wären das? Ist für eine gemeinsame Identität ein gemeinsames Gedächtnis nötig, oder taugt auch eine Vision?
Ist der Blick in die Vergangenheit für den Entwurf einer solchen gemeinsamen Identität überhaupt geeignet, oder birgt die Geschichte viel zu viel Streitpotential und Trennendes? Oder geht es gar nicht um eine gemeinsame Identität, sondern vielmehr darum, die Differenz und Vielfalt von Deutungen, Bewertungen und historischen Selbstverständnissen zuzulassen? Zuletzt: wer strickt die Mythen und die Visionen? Wer entscheidet, ob über gestern oder über morgen zu sprechen ist - und wie?
Mit
Prof. Dr. Dipesh Chakrabarty, Universität Chicago, Chicago/Berlin
Michal Hvorecký, Autor, Bratislava
Camille de Toledo, Autor, Filmemacher und Fotograf, Paris
Prof. Dr. Vaira Vīķe-Freiberga, ehemalige lettische Präsidentin / stellv. Vorsitzende der "EU-Reflexionsgruppe Horizont 2020-2030", Riga
Moderation: Dr. Ralf Müller-Schmid, Deutschlandradio Kultur
Programmänderungen vorbehaltlich.
Das Podium wird deutsch-englisch simultan übersetzt.
