Scheiden tut weh III: "Komm in den Garten"
Fr, 29.05.2009, 14:00 - 16:00 Uhr
DDR/D 1990, R: Heinz Brinkmann, Jochen Wisotzki, K: Michael Lösche, 93'
Der Titel des Films zitiert ein Gedicht Max Goldts. In einem Hinterhof am Prenzlauer Berg sagen zwei Mädchen daraus eine Passage auf, als handele es sich um einen Abzählreim: "Komm in den Garten / Lass uns hier spielen / Komm in den Garten / Da liegt mein Bruder / Ich schlug ihm den Kopf ab / Ich wollt? ihn nicht haben / Ich konnt? ihn nicht leiden / Ich schlug ihm den Kopf ab". Der Film, mit eindrücklichen Bildern des heruntergekommenen Kiezes an der Schönhauser Allee in der Nachwendezeit, porträtiert drei Freunde, deren Lebenswege gescheitert sind: Dieter, einen Maler, der sich mit den Anforderungen der sozialistischen Gesellschaft nicht arrangieren konnte und als "Arbeitsscheuer" zur Umerziehung immer wieder ins Gefängnis wanderte; Alfred, einen stellvertretenden Chefredakteur des Berlin Verlags, der nach dem Verlust seines Jobs und vergeblicher Arbeitssuche in den Kreislauf von Alkoholismus, Gefängnis und Psychiatrie geriet; Michael, einen ehemaligen Studenten der Wirtschaftswissenschaften, der nach einem Parteiverfahren seine Stelle an der Akademie der Wissenschaften verlor und nun vom Verkauf selbstgebastelter Lampenschirme lebt. Es sind keine Rebellen, aber Unangepasste, die im System der DDR ausgegrenzt und kriminalisiert wurden. So ist der Film, der seinen Protagonisten erstaunlich nahe kommt, auch ein Film über das Scheitern des real existierenden Sozialismus.
Einführung: Jörg Frieß
Im Anschluss Publikumsgespräch mit Jochen Wisotzki
Eintritt frei
Ort: Deutsches Historisches Museum
Raum: Zeughauskino

