Scheiden tut weh VII: "Stilles Land"
Sa, 30.05.2009,22:30 Uhr - So, 31.05.2009, 00:00 Uhr
D 1992, R: Andreas Dresen, D: Thorsten Merten, Jeanette Arndt, Kurt Böwe, 98'
Herbst 1989: Anklam in Mecklenburg-Vorpommern, nahe der Ostsee und mitten im Sendeloch des West-Fernsehens. Tristesse zwischen bröckelnden Fassaden und Nebelschwaden. Doch Kultur gibt es auch in der Provinz. Anklam verfügt über eine Bühne. Ein 26-jähriger Absolvent der Schauspielschule tritt sein erstes Engagement als Regisseur an. Er will Neues wagen und Samuel Becketts Warten auf Godot inszenieren. Doch die politischen Ereignisse überholen beständig die Inszenierungsentwürfe. Die Mauer ist längst gefallen, als endlich die Premiere stattfindet. Warten auf Godot wird so zur Metapher der Ereignisse, die woanders stattfinden: in Berlin etwa, wo die Mauer fällt. Der Theaterbus, der die Truppe zu den Ereignissen bringen soll, versagt kläglich. Und selbst die Antenne, die ein Ensemblemitglied unter abenteuerlichen Umständen aus Berlin organisiert hat, vermag nur ein Rauschen ferner Ereignisse zu vermitteln. Schon das Bühnenbild der Godot-Inszenierung nimmt das Thema der Immobilität auf. Becketts "Trauerweide" ragt als Holzlattenskelett aus dem Motorraum eines Wartburg, der in der finalen Inszenierung auch noch schwarz lackiert wird. Dresens Debütfilm hält einen tragikomischen Ton. Die stillgestellte Zeit in Becketts Stück wird als Kontrapunkt zu bewegten Zeiten entworfen, aber durchaus mit liebevollem Blick für jene, an denen die Zeit vorbeizugehen scheint. Die Ankunft im Westen wird vorerst nur wenigen gelingen.
Einführung: Manuel Köppen
Eintritt frei
Ort: Deutsches Historisches Museum
Raum: Zeughauskino

