Den Kommunismus erzählen
Podium im Deutschen Historischen Museum, Schlüterhof
29. Mai 2009, 16:00- 17:30 Uhr
Der Zusammenbruch des europäischen Kommunismus in Europa hat - anders als das Ende des Nationalsozialismus - eine Fülle von autobiographischen Aussagen und Bewältigungsmustern hervorgebracht, die von der selbstkritischen Abkehr bis zur unbeirrten Rechtfertigung reichen. Geschuldet sind sie der Notwendigkeit, den Umbruch von 1989/90 und das erlebte Ende des Projekts Sozialismus biographisch zu verarbeiten, also Zäsurerfahrung mit lebensgeschichtlicher Identitätsvergewisserung in Einklang zu bringen. Aus dieser Spannung zwischen Kontinuität und Wandel entwickeln sich unterschiedliche Erzählmuster, die das Ende des Projekts Sozialismus in das Zentrum oder an den Rand der eigenen (Lebens-) Schilderung rücken, es emphatisch annehmen oder gänzlich von sich weisen. In den seit 1990 erschienenen Autobiographien, Memoiren und Erzählungen von Künstlern, Politikern, Literaten und Wissenschaftlern wird die DDR aus unterschiedlichen generationellen Perspektiven und in verschiedenen Textsorten verarbeitet. Diese tragen wesentlich dazu bei, den Ort der DDR im kulturellen Gedächtnis zu bestimmen. Mit der Diskussion literarischer Autobiographien und autobiographischer Erzählungen aus verschiedenen Generationen wird die Plenarveranstaltung den Narrativen des Kommunismus nachgehen und insbesondere nach ihrer Bedeutung für das öffentliche Gedenken, die historische Fachwissenschaft und die mediale wie institutionelle Geschichtsvermittlung fragen.
Einführungsvortrag: Prof. Dr. Martin Sabrow, Historiker, Politikwissenschaftler und Germanist, Direktor des Zentrums für Zeithistorische Forschung (ZZF), Potsdam
Table ronde mit Literaten, die "den Kommunismus erzählen", mit
Dr. Jens Bisky, Journalist und Autor, Berlin
Prof. Dr. Werner Bramke, Historiker, Leipzig
Irina Liebmann, Schriftstellerin, Berlin
Herta Müller, Schriftstellerin, Berlin
Moderation: Jürgen König, Deutschlandradio Kultur, Berlin
