Von der maroden Planwirtschaft zum florierenden Kapitalismus? Die wirtschaftliche Transformation Osteuropas und ihre Folgen
Podium im Deutschen Historischen Museum, Schlüterhof
30. Mai 2009, 11:00- 12:30 Uhr
Als der Eiserne Vorhang Europa noch teilte, galt die DDR zeitweilig als die zehntgrößte Industrienation und hinter vorgehaltener Hand blickten die Ost-Berliner Staats- und Parteiführer verächtlich auf "die polnische Wirtschaft" oder den "Gulaschkommunismus" herab. Zwei Jahrzehnte nach den friedlichen Revolutionen glänzen die jungen Demokratien Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn mit anhaltendem Wirtschaftswachstum und moderaten Arbeitslosenzahlen - vor allem im Vergleich zu Ostdeutschland, in das seit 1990 immense Transferzahlungen aus Westdeutschland geflossen sind. Die geringere Produktivitätsrate und eine anhaltende Abwanderungsbewegung sind weitere Kennzeichen des schwierigen ostdeutschen Transformationsprozesses. Manch einer trauert heute noch dem untergegangenen ostdeutschen Teilstaat nach und wünscht sich die vermeintlichen sozialen Errungenschaften zurück, ohne aber die damit verbundenen wirtschaftlichen Lasten zu berücksichtigen, die letztlich zum Untergang des Staatssozialismus beigetragen haben. Inwieweit spiegelt die ökonomische Situation der Gegenwart unterschiedliche Ausgangsbedingungen aus Zeiten der Planwirtschaft wider? Wie verlief der Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft in Ostdeutschland, Polen, Ungarn oder aber auch in der Tschechien und der Slowakei? Inwieweit resultieren die ökonomischen Probleme Ostdeutschlands aus dem "Sonderweg", den die Vereinigung der DDR mit der Bundesrepublik darstellte? Gab es realistische Alternativen zu den ökonomischen Weichenstellungen des wiedervereinigten Deutschlands? Inwieweit eröffnete der wirtschaftliche Kollaps und der damit einhergehende Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums Chancen für die rasante Ausbreitung eines ungezügelten Kapitalismus, der z.B. kaum durch Restriktionen im Arbeits- oder Sozialrecht eingeschränkt wurde?
Mit
Prof. Dr. Leszek Balcerowicz, Wirtschaftswissenschaftler und Politiker, Aufsichtsratsvorsitzender des Brüsseler Think Tank Bruegel, Warschau
Dr. Edgar Most, ehemaliger Vizepräsident der Staatsbank der DDR und bis 2004 Mitglied der Geschäftsleitung der Deutschen Bank, Berlin
Prof. Dr. Gerhard A. Ritter, Historiker, Professor emeritus für Neuere und Neueste Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München, Berlin
Richard Swartz, Journalist und Schriftsteller, Stockholm
Moderation: Andreas Theyssen, Ressortleiter Politik und Wirtschaft der Financial Times Deutschland
