Geteilte Erinnerung in einem vereinten Europa - Diktaturaufarbeitung zwischen Opferkonkurrenz und Vergangenheitspolitik
Podium im Deutschen Historischen Museum, Schlüterhof
30. Mai 2009, 16:00- 17:30 Uhr
Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs steht Europa vor der Herausforderung, sich mit zwei totalitären Diktaturvergangenheiten auseinanderzusetzen, die das 20. Jahrhundert tief geprägt haben. Die Notwendigkeit der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit und der deutschen Besatzung war und ist dabei unstrittig. Sehr viel kontroverser wird in Europa die Auseinandersetzung mit der kommunistischen Vergangenheit diskutiert. Vor diesem Hintergrund hat sich seit den neunziger Jahren in Europa eine mehr oder weniger verdeckte Konkurrenz der Erinnerung herausgebildet. In Deutschland gibt es nach langen Debatten ein Konsens darüber, dass in der Erinnerungskultur weder die nationalsozialistischen Verbrechen relativiert noch das von der kommunistischen Diktatur in Ostdeutschland verübte Unrecht bagatellisiert werden darf. Die Praxis von Politik, Schulen, Museen und Gedenkstätten wird an diesem Konsens gemessen.
In Ostmitteleuropa hat der Kommunismus über Jahrzehnte hinweg ungleich mehr Opfer gefordert als in Deutschland. Die Menschen in diesen Ländern haben eine andere Perspektive auf die europäische Diktaturgeschichte, sie schlägt sich in unterschiedlichen Erinnerungskulturen nieder. Diese verschiedenen Blickwinkel auf die Vergangenheit führen innerhalb Europas immer wieder zu oft heftig geführten Auseinandersetzungen - nicht zuletzt deshalb, weil sie stets auch eine geschichtspolitische Dimension besitzen.
Mit
Dr. Zsuzsa Breier, Germanistin, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Gesellschaft zur Förderung der Kultur im erweiterten Europa, Berlin
Prof. Dr. Bernd Faulenbach, Professor für Geschichte an der Ruhr-Universität Bochum, Bochum
Prof. Dr. Antonia Grunenberg, Professorin für Politikwissenschaft, Berlin
Uwe Neumärker, Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Berlin
Prof. Dr. Jan Maria Piskorski, Professor für Vergleichende Geschichte Europas an der Universität Szczecin, Szczecin
Moderation: Alfred Eichhorn, rbb, Berlin
