Nach dem Ende der Zukunft? Zur Geschichte und Gegenwart gesellschaftlicher Zukunftsentwürfe
Podium im Deutschen Historischen Museum, Schlüterhof
31. Mai 2009, 11:00- 12:30 Uhr
1989 steht für den Bankrott des Kommunismus. Auch als Motor gesellschaftlicher Utopien und Visionen eines sozial gerechten Zusammenlebens hat der Kommunismus ausgedient. Was hat die vom Ende des Kommunismus gerissene Lücke in Ost- und Westeuropa gefüllt? Welche Entwürfe einer gesellschaftlichen Zukunft wurden in Ost und West vor 1989 formuliert; welche haben sich erfüllt, welche sind gescheitert, welche wurden verworfen? Wie beeinflusst das Scheitern oder der Erfolg dieser Visionen heutige Vorstellungen von gesellschaftlichem Fortschritt? Sind die Hoffnungen, die - z.B. in der westeuropäischen Generation der 68er - mit dem Kommunismus verbunden waren, in den Vorstellungen der entwickelten Demokratie aufgehoben? Sind Demokratie und Kapitalismus die neue und letzte gesellschaftliche Zukunftsvision, oder zeichnen sich 20 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs eine Erosion der Demokratie, neue Feindbilder, Nationalismen und ökonomische Krisen ab, die die Visionen und Errungenschaften der friedlichen Revolutionen aushöhlen?
Führen verschärfte Konkurrenz und globale Flexibilisierung dazu, dass sich die 89er und alle nachfolgenden Generationen - in Ost und West - bereitwillig in eine solidaritätsblinde Ordnung einreihen, den Blick auf das individuelle Fortkommen gerichtet und ohne Illusionen über ein besseres gesellschaftliches Zusammenleben? Sind große alternative Entwürfe, die mit Idealismus, Aufbruch und Kompromisslosigkeit verbunden sind, durch die Geschichte obsolet geworden? Oder ist die Zukunft längst da und wird in kleinen, individuellen Schritten und Handlungen gestaltet - in neuen Formen des international vernetzten politischen Engagements, in ethischem Management und im sozial und ökologisch verträglichen Konsumieren täglich praktiziert?
Ein Gespräch über gesellschaftliche Zukunftsentwürfe vor und nach 1989 mit
Prof. Dr. Wolfgang Engler, Autor und Soziologe, seit 2005 Rektor der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" Berlin, Berlin
Sabine Müller-Mall, Rechtsphilosophin, Berlin
Prof. Dr. Paul Nolte, Professor für Neuere Geschichte / Zeitgeschichte an der Freien Universität Berlin
Stephan Schlak, Historiker, Publizist, Journalist und Herausgeber, Berlin
Moderation: Dr. Ralf Müller-Schmid, Deutschlandradio Kultur
